Kurzüberblick
- Rund 24 Prozent der Mütter in einer Studie in New York City waren nach der Geburt von Ernährungsunsicherheit betroffen.
- Ernährungsunsicherheit war während der frühen und der späteren Pandemiephase mit geringeren Chancen auf ausschließliches Stillen verbunden.
- Forschende empfehlen, bei Müttern nach der Geburt ein Screening auf Ernährungsunsicherheit durchzuführen und gezielte Stillunterstützung anzubieten.
- Die Ergebnisse stammen aus 1 Beobachtungsstudie in New York City und gelten möglicherweise nicht für jede Gemeinschaft.
Wie Ernährungsunsicherheit und Stillen nach der Geburt zusammenhängen
Nach der Geburt eines Babys scheint die größte Frage rund ums Stillen vielleicht Technik oder Zeitpunkt zu sein. Für manche Mütter ist eine drängendere Sorge, ob sie sich zuverlässig genug Essen leisten können. Eine Studie aus New York City hat kürzlich untersucht, wie Ernährungsunsicherheit und Stillen bei Müttern zusammenhängen, die während der Pandemiejahre entbunden haben. Sie zeigt: Mütter mit unsicherem Zugang zu Lebensmitteln stillten in der frühen und in der späteren Phase dieses Zeitraums seltener ausschließlich. Etwa 24 Prozent der Mütter in der Studie waren von Ernährungsunsicherheit betroffen. Falls dir das bekannt vorkommt: Du bist nicht allein. Wenn du das Thema früh bei deinem Betreuungsteam ansprichst, können sich Türen zu einer Stillbegleitung öffnen, die zu deinen Umständen passt.1
Was die Untersuchung zeigt
Diese Untersuchung ist Teil des Projekts COVID-19 Mother-Baby Outcomes, kurz COMBO. Das Team nahm zwischen März 2020 und Mai 2024 in New York City Säuglinge ab der Geburt auf. Dieser Zeitraum umfasst die frühen Pandemiemonate und die folgenden Jahre. So konnten die Forschenden beobachten, wie sich verändernde wirtschaftliche und soziale Bedingungen auf die Ernährungsmuster in verschiedenen Phasen ausgewirkt haben könnten. Mütter beantworteten Fragen zu ihrer Lebensmittelversorgung, ihren Entscheidungen beim Füttern und wie sicher sie sich beim Füttern ihres Babys in dieser Zeit fühlten.1
Um den Zusammenhang zwischen Ernährungsunsicherheit und Stillen zu untersuchen, fragten die Forschenden die Mütter, wie ihr Zugang zu Lebensmitteln in den 30 Tagen vor der Befragung aussah. Sie nutzten ein kurzes Screening-Instrument mit 2 Fragen, das aus einem etablierten Messinstrument zur Ernährungssicherheit abgeleitet wurde. Das Team erfasste außerdem, wie sicher sich die Mütter bei der Entlassung beim Füttern fühlten, und wie sie ihr Baby aktuell ernährten: ob sie ausschließlich stillten, Säuglingsmilch gaben oder beides kombinierten. So entstand ein Bild davon, wie Lebensmittelzugang und Füttern in verschiedenen Phasen der Pandemie zusammenhingen.1
- Rund 24 Prozent der Mütter nach der Geburt, die an der Studie teilnahmen, waren während des Befragungszeitraums von Ernährungsunsicherheit betroffen.1
- Mütter mit Ernährungsunsicherheit hatten während der frühen Pandemiewelle, die von März 2020 bis Dezember 2021 dauerte, geringere Chancen auf ausschließliches Stillen.1
- Dasselbe Muster zeigte sich in der späteren Phase von Januar 2022 bis Mai 2024. Das deutet darauf hin, dass der Zusammenhang über die Zeit bestehen blieb.1
- Beim direkten Vergleich ohne Berücksichtigung weiterer Faktoren wählten 44 Prozent der Mütter mit Ernährungsunsicherheit Säuglingsmilch, während es bei Müttern mit stabilem Lebensmittelzugang 28 Prozent waren.1
Ernährungsunsicherheit und Stillen im Alltag
Warum spielt der Zugang zu Essen beim Stillen eine Rolle? Wenn du nicht weißt, ob genug Essen da sein wird, braucht ausschließliches Stillen viel Kraft und Zeit. Der Alltag mit einem Neugeborenen ist fordernd. Die Sorge um den Einkauf kommt dazu. Mütter mit unsicherer Lebensmittelversorgung haben viele Aufgaben gleichzeitig. In einem solchen Alltag ist es schwer, sich allein auf das Stillen zu konzentrieren. Wenn die eigene Versorgung gesichert ist, bleibt Raum für die Versorgung des Babys.
Zudem zeigte sich, dass Ernährungsunsicherheit häufiger bei Müttern auftrat, deren bevorzugte Sprache Spanisch war. Das heißt nicht, dass das Thema nur eine Gruppe betrifft. Die Ergebnisse zeigen: Sprache, kultureller Kontext und Zugang zu Angeboten in der Gemeinschaft wirken zusammen. Ob eine Familie regelmäßig genug zu essen hat, hängt auch davon ab. Diese Faktoren können auch beeinflussen, ob eine Mutter sich traut, beim Stillen oder bei anderen Bedürfnissen um Hilfe zu fragen. Das Muster deutet darauf hin, dass Unterstützungsangebote Mütter mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Sprachen erreichen müssen.1
Diese Ergebnisse stammen von Müttern in New York City aus einem bestimmten Zeitraum. Die genauen Zahlen können an deinem Wohnort anders aussehen. Entscheidend bleibt das größere Muster. Wenn der Zugang zu Lebensmitteln unsicher ist, wird es schwerer, ausschließlich zu stillen. Die Forschenden weisen auf veränderliche äußere Bedingungen im Untersuchungszeitraum hin. Dazu zählen Veränderungen bei sozialen Diensten, Unterstützung aus der Gemeinschaft und der Mangel an Säuglingsmilch im Jahr 2022. Solche Faktoren könnten die Entscheidungen beim Stillen neben der Ernährungsunsicherheit selbst beeinflusst haben. Andere gemessene Faktoren erklärten diesen Zusammenhang nicht vollständig.1
Was Forschende Müttern nach der Geburt empfehlen
Die Autorinnen und Autoren der Studie heben 2 klare Bereiche hervor, in denen Unterstützung bei Ernährungsunsicherheit und Stillen etwas bewirken kann. Erstens: Nach der Geburt mit einfachen Screening-Fragen nach dem Zugang zu Lebensmitteln fragen. So lassen sich Familien erkennen, die von zusätzlicher Hilfe profitieren könnten, bevor sich Probleme beim Stillen verschärfen. Zweitens: Stillunterstützung anbieten, die auf die Bedürfnisse von Müttern mit Ernährungsunsicherheit zugeschnitten ist. Dazu gehört, Mütter an Programme zur Lebensmittelhilfe anzubinden und gleichzeitig Stillbegleitung anzubieten.1
Was bedeutet Ernährungsunsicherheit?
- Was es bedeutet
- Ernährungsunsicherheit bedeutet, dass ein Mensch oder ein Haushalt nicht zuverlässig genug bezahlbare, nahrhafte Lebensmittel erreichen kann. Sie kann vorübergehend oder dauerhaft sein und von der Sorge, dass das Essen ausgeht, bis zu ausgelassenen Mahlzeiten reichen.
- So zeigt es sich im Alltag
- Das kann bedeuten, Mahlzeiten zu strecken, günstigere, aber weniger sättigende Optionen zu wählen oder sich zu sorgen, ob das Essen für die Woche reicht. Für eine frischgebackene Mutter ist dieser Druck beim Stillen des Babys spürbar.
- Wen es betreffen kann
- Ernährungsunsicherheit kann in jedem Haushalt vorkommen. Es geht nicht nur um das Einkommen auf dem Papier, sondern darum, ob Lebensmittel beständig erreichbar sind. Jobveränderungen, steigende Kosten oder unerwartete Ausgaben können eine Rolle spielen.
Schritte für den Alltag
- Wenn dein Zugang zu Lebensmitteln unsicher ist, sprich es bei deiner Hebamme oder deinem medizinischen Team beim nächsten Termin an. Sie können dir örtliche Hilfe für Einkäufe oder Mahlzeiten vermitteln.
- Frage nach Angeboten in deiner Umgebung, die Familien nach der Geburt unterstützen, zum Beispiel Tafeln, Essenslieferdienste oder örtliche Hilfsprogramme.
- Schaue nach Stillgruppen in deiner Nähe. Dort findest du praktische Tipps und Austausch mit anderen Müttern, wenn das Stillen gerade schwerfällt.
- Wenn ausschließliches Stillen schwerfällt, ist eine Kombination mit Säuglingsmilch eine gute Möglichkeit. Entscheidend ist ein Plan, der zu dir und deinem Baby passt.
- Schreibe dir Fragen und Sorgen zu Essen und Füttern auf und nimm sie zum nächsten Termin mit. So bleibt auch bei einem kurzen Besuch nichts Wichtiges liegen.
Blick nach vorn
Wenn der Zugang zu Lebensmitteln gerade ein Thema für dich ist, sprich es beim nächsten Termin bei deiner Hebamme oder einer anderen medizinischen Fachperson an. Viele Teams kennen örtliche Programme für Lebensmittel oder Stillbegleitung. Du musst das nicht allein herausfinden. Ein kurzes Gespräch über das, was du erlebst, kann der erste Schritt sein, um zur richtigen Zeit die richtige Unterstützung zu bekommen. Wenn du deine Situation offen beschreibst, sieht dein Betreuungsteam besser, welche Hilfe für dich nützlich ist.
Die Kernbotschaft ist einfach. Nach der Geburt ist Ernährungsunsicherheit verbreiteter, als viele denken. Forschende empfehlen, gezielt danach zu fragen und passende Unterstützung anzubieten. Wenn das deine Erfahrung ist, hast du die besten Chancen, wenn du dich früh meldest und Hilfe findest, die zu deinem Leben passt. Unterstützung, die Ernährung und Stillen gemeinsam im Blick hat, kann Druck aus dem Alltag nehmen.
Zu dieser Studienlage
So ist dieser Beitrag entstanden
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Quellen
- Effects of food insecurity risk on infant feeding confidence and practices during the COVID-19 pandemic and its waves.International Breastfeeding JournalAbgerufen am 19. August 2026
